Nüchtern, ausgezehrt und hungrig. Grausamer Zustand. Und eine beschissene Einleitung für einen fröhlichen Biertest. Trotzdem: Wenn man freitags, nach einer anstrengenden Woche, in der Abstellkammer zufällig einem vergessenen Bier begegnet, steht ein Massaker unmittelbar bevor. Nach diversen Flüchen („Warum immer nur 0,33er für dieses kack Craftbeer???“ oder „Kacke, jetzt ist das blöde Glas nicht auffindbar“) war auch mal Zeit, einen Blick auf das Etikett zu werfen. Wir haben es hier erneut mit einem Maisel & Friends zu tun. Wer sich an unseren Craftbeer-Flight erinnert, weiß, dass wir von den drei Sorten recht angetan waren. Allerdings waren diese Gebräue artgerechter verpackt: In rudelbierfreundlichen 0,75l Flaschen. Da macht die Sache durch den Suff sogar noch Spaß, wenn sie keinen Spaß macht. Aber was soll das Geschwätz. Diesmal wenden wir uns dem Maisel & Friends Pale Ale zu. Man hat viel gehört und darf aufgrund der Popularität durchaus gespannt sein!
Optik

Jaaaah, wie macht man das im Winter? Es ist stockfinster. Gegen eine Lampe gehalten könnte es ja die Farbe verfälschen. Mh. Es ist auf jeden Fall heller als ein Dunkles. Gleichzeitig aber definitiv dunkler als ein Helles! Rotstichig ist es auch ein klein wenig. Außerdem fällt eine leichte Trübung auf. Vielleicht so in die Richtung Bernstein? Aber, mangels Sonnenlicht, alle Angaben ohne Gewähr. Zum Schaum gibt es da nicht viel zu sagen. Insgesamt recht unspektakulär. Und annähernd so großblasig wie jemand, der auf dem Oktoberfest einen Sitzplatz ergattert.
Geruch
Haben wir uns das einfallen lassen? Warum kommen die Kapitel Optik und Geruch vor dem Geschmack? Das sollten wir wirklich ändern! Beim Pale Ale fällt, im Vergleich zu anderen Bieren, sofort auf, dass es nicht muffig riecht. Null. Nada. Ganz im Gegenteil. Es riecht sogar wahnsinnig fruchtig. Frische Zitrusaromen mit einem Beiklang, der ungefähr so schwer einzuordnen ist, wie ein 50 Tonner zwanzig Meter vor der Ausfahrt. Vielleicht eine Prise karamellisiertes Malz? Möglicherweise aber auch ein süßflorales Hopfengesteck? Ach, was soll’s. Könnte auch ein Gecko in Spiritus sein und wir würden darüber noch philosophieren. Nichtsdestotrotz riecht es aber sehr interessant und anregend.
Geschmack
Endlich! Raus aus der Flasche und mit einem, von Dekadenz zeugenden Umweg, über das kristalline Verkostungsglas ab ins Gesicht damit. Und das erste Signal, das die Nervenbahnen hochzuckt, ist IBU. Nein, nicht die Schmerztabletten, die alle über 30 wie Smarties fressen. Und genauso wenig meinen wir die „International Biathlon Union“. Es geht um die „Internation Bitterness Unit“, welche hier mit dem Wert 32 auf einem nicht ganz unerheblichen Level liegt. Das war zu erwarten, sagt ihr? Es ist doch ein IPA, sagt ihr? Recht habt ihr! Die gewisse Bitterkeit gehört also definitiv dazu. Das Pale Ale liegt, so komisch es klingt, sehr gut im Mund. Wir finden die Zitrus- und Karamellmalzaromen, die uns schon nasal aufgefallen waren, auch im Geschmack intensiv vor. Aber auch hier ist noch was. Etwas anders. Etwas undefinierbares. Oder möglicherweise sogar etwas, das sich ungefähr so geschickt in das Geschmacksmuster einwebt, wie Schlingkraut in feinmaschigen Drahtzaun eines Ostblock-Vorgartens.
Fazit
Wir fassen zusammen: Einiges haben wir erkannt. Bei vielen Definitionen für Aromen müssen wir jedoch passen. Was sagt das über uns aus? Nichts! Wir sind so geil wie immer. Dieses Pale Ale ist einfach komplexer als andere. Macht aber nix, weil’s trotzdem schmeckt und die Fantasie beflügelt.

